Eine einzige Facebookankündigung am 3. September. Innerhalb kürzester Zeit waren bereits die ersten Konzerte ausverkauft. Viel hat Maeckes mit seinen Gitarrenkonzerten bislang nicht falsch gemacht. Es ist ein ungewöhnliches Konzept für Menschen, die in der Regel Rapmusik machen. Einfach nur dieser Typ aus Stuttgart und seine Gitarre habe ich mir vorgestellt. Zumindest im Grundsatz. Die Venues auf dem Weg sind Kirchen und Theaterhäuser – alles nur nicht die üblichen Konzerthallen. Wie bereits 2014 kam die Tour in die Schaubühne Lindenfels. Ein Ort, welcher selten von Musiker_innen bespielt wird. Der Saal war komplett bestuhlt. Es sollte keine freien Plätze mehr geben.

Maeckes|Gitarrenkonzerte 2015|Leipzig|Schaubühne Lindenfels

Eins bleibt festzuhalten: dieses Konzert lebt von seinem spontanen Witz, von der Intuition seitens des Künstlers, wie auch des Publikums. Es gibt 13 Dates auf dieser Tour. Keiner dieser Tage wird vergleichbar mit dem anderen sein. Wer hier Maeckes oder Orsons-Stücke in Reinkultur erwartet, kann nur enttäuscht werden. Es ist ein Abend auf den sich die Zuhörenden und Interagierenden einlassen müssen. Es ist mehr als nur Maeckes und seine Gitarre. Es ist Theater, Stand-Up Comedy, Musik – eine Symbiose, welche ohne ein Zögern als Kunst bezeichnet werden darf. Niemand muss für dieses gut zweistündige Event wissen, wo dieser Maeckes herkommt und was er überhaupt bislang gemacht hat. Es funktioniert ausgezeichnet ohne diese Kenntnis. Gut – in den wiederkehrenden Tanzpausen wird mal »Ventilator« gespielt. Tatsächlich gab es auch eine puristische Version von »Graustufenregenbogen«. Aber alles ist spannend. Das Unerwartete folgt dem Unerwarteten. Selbst wenn es dann doch typisch für diesen Maeckes ist.

Maeckes|Gitarrenkonzerte 2015|Leipzig|Schaubühne Lindenfels
Die besonderen Momente erlangen einen jedoch dann, wenn die Fragilität zum Vorschein kommt. Nie plakativ, sondern stets auf unterschwellige Art und Weise. Sind wir alle besonders? Sind wir wirklich das Beste auf der Welt? Oder doch eher das Schlechteste? Es sind niemals die ersten Sätze, die hier den Bogen spannen. Sondern immer die Vierten und die Fünften. Maeckes selbst hat so oft dieses verlegene Lächeln. Dieses Understatement vor allem in Bezug auf sein nicht genügendes Gitarrenspiel. Diese ständigen Showeinlagen, Gitarrenwechsel und Mitmachspielchen. Und genau da erwartet mensch nicht mit so einer Zerbrechlichkeit konfrontiert zu werden.  Dieser Abend lädt dazu ein, etwas am Ende mitzunehmen. Dafür braucht es keinen Bombast, keine riesige Lichtshow, keine schnellen Akkordfolgen und keine perfekten Gesangsdarbietungen. Eine Gitarre und ein Maeckes reicht. Und vielleicht noch ein bisschen mehr.

Share