by Toni
The Strumbellas Pressefoto (c) Universal Music
The Strumbellas waren mir bisher hauptsächlich über ihren Megahit „Spirits“ bekannt. Über 45 Millionen Aufrufe auf YouTube und eine wochenlange Dauerschleife auf diversen Radiosendern repräsentieren die Reichweite des Songs sehr gut. Durch diesen Überdruss habe ich die Band gedanklich abwertend als Radiomusik eingespeichert und mich nicht näher mit ihnen beschäftigt. Als ich nun die Gelegenheit bekommen habe die Band im Täubchenthal Leipzig anzuschauen, wollte ich mich nicht weiter mit der Biografie der Kanadier befassen und möglichst vorurteilsfrei das Konzert genießen.


Vor dem Konzert

Also ab ins Auto und los ging es Richtung Leipzig. Ich war etwas spät dran und so habe ich mich schon auf eine längere Zeit in der Warteschlange vorbereitet. Doch als ich ankam, gab es keine Spur einer Schlange. Und dies obwohl das Konzert nach offiziellen Angaben ausverkauft war. Ca 30 Personen saßen im schönen Hof des Täubchenthals. Dem wollte ich gleich nachkommen. Also schnell ein Bier besorgt und die letzten 30 Minuten vor dem Konzert noch etwas das Wetter genießen.

The Strumbellas Hof

Als ich dann im Gebäude war, kam für mich die erste Überraschung. Die Band spielte nur im kleinen Klub des Täubchenthals, welcher mit einer Kapazität von etwa 350 Personen daherkommt. Bei einem derartig erfolgreichen Hit bin ich davon ausgegangen, dass sie im großen Saal des Hauses spielen. In den USA touren die sechs Bandmitglieder regelmäßig vor Tausenden von Fans durch das ganze Land. Ob dies nun daran liegt, dass sie in Deutschland bewusst eine kleine Klubtour spielen wollten oder dass Folk bei uns eben doch nicht die Aufmerksamkeit erreicht, wie das Genre es in den USA tut, kann ich an dieser Stelle nicht sagen. Prinzipiell hat es mich eher erfreut die Strumbellas in einer solch intimen Situation kennenlernen zu dürfen.

The Strumbellas Klub

Weiterhin auffällig war die relativ hohe Anzahl an älteren Personen (Ü50). In jeder Ecke des Klubs sah man immer wieder kleinere Grüppchen von Ihnen. Ein doch ungewöhnliches aber sehr angenehmes Bild. Gibt es doch neben den richtig großen Bands wie Rammstein, Udo Lindenberg, AC/DC und Co eher weniger Musiker, die es schaffen mindestens drei Generationen gleichzeitig zu begeistern. Als Vorband war Lisa LeBlanc angekündigt. Die Liedermacherin wird ebenfalls dem Folkgenre zugeordnet. Sie hat es in 30 Minuten geschafft die Vorfreude im Klub sowie die Tanzbereitschaft der Fans merklich zu steigern.

The Strumbellas

Nach 30 Minuten Umbau haben die Strumbellas kurz nach 21 Uhr ihr Konzert begonnen. Zwei Gitarren, ein Bass, Keyboard, Schlagzeug und eine Violinistin. Alle hatten merkbar Lust auf das Konzert und interagierten ständig untereinander. Die Stimmung war von Anfang an gut. Es wurde weniger mitgesungen. Dafür bewegten so gut wie alle ihr Tanzbein. Nach jedem Song gab es eine kleine Ansage an die Fans. Kleine Geschichten aus der kanadischen Heimat, Anekdoten der vergangenen Shows oder kleine Witze untereinander brachten das Publikum immer wieder zum Schmunzeln und ließen keine Langeweile aufkommen. Nach 1,5 Stunden Show inklusive einer Zugabe war die Show zu Ende.

The Strumbellas

Resumé

Nachdem ich mit Vorurteilen an die Show und Band herangegangen war, bin ich äußerst positiv von dem Abend überrascht. Die Band verlor sich nicht in erwarteten Popstrukturen, sondern lebte die Begeisterung zur Musik in allen Belangen aus. Typische Songstrukturen wurden durch Soli, Rhythmenwechsel oder Pausen aufgebrochen. Dadurch fühlt sich die Musik um einiges weniger vorhersehbar an, was sie gleichzeitig viel interessanter machte. Außerdem ist aufgefallen, dass alle Musiker um einiges mehr Spaß an den Songs rund um „Spirits“ herum hatten. Hier empfehle ich allen, denen die Hit-Single gefallen hat, in die drei Alben der Band reinzuhören. Hier sind noch so einige Perlen verborgen, die um einiges anspruchsvoller daherkommen. Letztendlich bin ich froh The Strumbellas in Leipzig gesehen und eine weitere tolle Band in meiner persönlichen Timeline archiviert zu haben.