by Friedrich

SPH Bandcontest Vorrunde 08.04. Leipzig / 4 rooms

Wenn Menschen im Kultur- und insbesondere Musikbusiness sich Newcomerförderung auf die Fahne schreiben, geht der Weg an Bandcontests nicht vorbei. Einer der größeren Player im Game ist die SPH GmbH & Co. KG, kurz: SPH Bandcontest. Neben Emergenza und Bandclash gehört SPH zu den Größen im genannten Marktbereich. Dass neben dem Herz an der Musik auch Geld ins Portemonnaie fließen soll, ist nicht weiter verwunderlich. Bands müssen sich zunächst für ca. 60 € einkaufen und sind dafür verantwortlich Ticketkontigente abzunehmen, die sie unter die eigenen Anhängerinnen und Anhänger bringen. Wer mehr Leute rekrutiert, hat bereits die halbe Miete eingestrichen. Zur Hälfte entscheidet schlussendlich das Publikum per Stimmzettel. Eine Jury den anderen Teil. So viel zum System Bandcontest in aller Kürze. Dass es für die ganze Kohle nicht  möglich ist, den spielenden Bands Monitore zu gewährleisten, ist dann wohl der Ausdruck des „Deine Bühne. Dein Sound“-Mottos. Die Antwort: „Das gibt der Laden einfach nicht her!“ Ich gehe seit 2008 auf Konzerte ins 4 rooms. Monitore hatte jeder. Selbst 44 Leningrad am Tag danach und die spielen sonst auch nur aufm Stadtfest in Pegau. Seit 1980 benutzen die allerdings auch Monitore. Ist sowas wie Mindeststandard als Veranstalter. Grund ist, dass damit soundtechnisch weder Bands noch Publikum geholfen ist. Liebe Leipziger Bands, die ihr euch also bei SPH bewerbt: Ihr werdet zunächst nur euren Schlagzeuger hören können. So weit, so gut. Jetzt aber wirklich zur Musik.

Den Anfang machten Feed my Beast aus Leipzig. Ihr Sound ist mitten in den Neunzigern verwurzelt und knüpft vor allem gesanglich stark bei Alice in Chains und Nirvana an. Handwerklich durchaus solide, aber viel wurde am Sound noch nicht experimentiert. Die Harmoniefolgen im Gitarrenbereich gab es in zwei Variationen. Das Tempo zog nur im letzten Stück etwas an. Musik, die der geneigte Grungefan sich definitiv zu Gemüte führen kann. Der Wiedererkennungswert ist allerdings gering bemessen. Großer Pluspunkt: Der Bassist ist definitiv das Tier in der Band. Alles in allem aber eine ordentliche Sache für den insgesamt erst dritten Gig der Band.

Weiter ging es mit der absoluten Nummer Eins, was die Bandnamen betrifft: Moby Dig. Überraschen durften uns die drei fiesen Metalheads mit reiner Instrumentalmusik. Absolut on point gespielt, was im Rahmen der oben genannten Bedingungen, eine herausragende Leistung darstellt. Bei sphärischen Songmonolithen im mindestens fünfminütigen Bereich die Spannung zu halten, ohne dass es vor allem live langweilig wird, ist jedoch hier die große Kunst. Schaffen aber auch selbst die großen progressiven Meister von Long Distance Calling nicht. Die reden dann aber doch gelegentlich mit dem Publikum, worauf Moby Dig jetzt leider nicht so Lust hatten. Trotzdem: Gute Sache!

Erase the Pace hatten die größte Anhängerschaft des Abends mobilisieren können. Dementsprechend voll wurde es vor der Bühne. Das hatte definitiv seine Berechtigung. Feinste Gitarrensoli treffen auf einen erdigen Sound im Bereich zwischen Garage und Straße mit Skateboard unter dem Arm. Abwechslungsreiche Nummern, die vor allem von einem tighten Groove der Rhythmusfraktion leben. Die Stimmung fand hier definitiv ihren Siedepunkt am Abend, womit die Band auch spielerisch gut umgehen konnte. Der würdige Gewinner des Abends. Die Redaktion bekommt übrigens bis heute nicht mehr das Gitarrensolo des vorletzten Songs „Drive“ aus dem Kopf. Großes Kino.

Weit aus Chemnitz angereist sind Palaver. Klar ist, dass sich an beiden Gesangsprotagonisten die Geister scheiden werden. Die Stimme von Jakob leidet an immer noch geringem Stimmvolumen, passt aber etwas mehr zum gitarrenversierten Sound der Band. Bei Henry fühle ich mich an Isolation Berlin erinnert, vor allem den verrückten, leicht schrägen, aber dafür unfassbar emotionalen Touch betreffend. Bei ihm würde es sich mehr anbieten das Soundbild zu reduzieren, sofern sich die Gesangsaufteilung weiterhin in dieser Form gestaltet. Doch gerade das Instrumentale ist der große Vorteil von Palaver. Die Songs von den Chemnitzern können durch schöne Gitarrenleads überzeugen, die allesamt gut in den Stücken der Band Platz und Raum finden, ohne dabei nach Schema F zu verfahren. Insbesondere der abschließende Fünfminüter „How is this Possible“ hat durch seine vielseitigen Tempowechsel und Harmoniefolgen große Qualität. Definitiv eine Band mit einem großen Potenzial nach oben.

Abschließend kamen noch die Bad Lausicker, ähh ich meine Texaner, Countrygesellen von Texas Music Massacre auf die Bretter. Gepaart mit der überzeugendsten Gesangsleistung des gesamten Abends versteht es die Band eingängige Melodien im Südstaatenstil aus den PAs zu donnern. Auch mal schön einen Trompeter auf der Bühne zu sehen, der so doch den Sound der Band von den anderen gitarrenorientierten Teilnehmenden des Abends abhob. Auch die Show kommt bei den Cowboyhutträgern nicht zu kurz, gilt es eben das Image des Countrys in allen Ehren zu pflegen. Dazu gehört auch der Themenkreis von entlaufenen Pferden, umherfliegenden Heuballen, sowie ganz vielen genehmigten und zu genehmigenden Drinks. Erfrischend abwechslungsreich und von einer treuen Fanbase begleitet, konnten die hochprofessionellen, abgezockten Jungs Eindruck schinden. Nicht umsonst auch die Band mit der größten Followerschaft auf Facebook.