by Melanie Marvelous

Happy Us; Heute hat das Berliner Avantgard-Pop Duo AB Syndrom ihr viertes Album Frontalcrash released.

AB Syndrom, das sind Sänger Bennet Seuss und Drummer Anton Kırık, die mit ungewohntem elektronischem Sound und sehr persönlichen und dennoch abstrakten Texten hervorstechen. Schon seit 2011 gibt es die Band, die in den vergangenen Jahren bereits drei Alben herausgebracht hat. Von Anfang an arbeiten sie in Eigenregie; die gesamte Produktion, über Artwork, Musikvideos und Veröffentlichung haben sie allein gestemmt (was ich schon ziemlich beeindruckend finde). Ich für meinen Teil bin das erste Mal vor einigen Jahren auf ihren Song Flaggschiff gestoßen. Verliebt habe ich mich jedoch erst noch später, als sie den Support auf Mines Klebstoff-Tour spielten. Solltet ihr sie nicht schon seit ihrem Feature Spiegelbild kennen, habt ihr sie vielleicht jetzt auf dem Schirm.

Das thematisch und klanglich am stärksten fokussierte Album der Band – dem kann ich mich nur anschließen. Unter all’ der verwobenen Poesie ist ein klarer blutroter Faden zu finden. Sänger Bennet Seuss schafft es Hörer*innen trotz autobiografischer Texte zu catchen, indem er sich lyrisch auf einer so abstrakten Ebene bewegt, dass man genug Spielraum hat, sich selbst mit ihnen zu identifizieren.

Frontalcrash: Der Album-Opener und Titeltrack rast direkt mit Vollspeed auf die Hörer*innen zu und crashed wortwörtlich auf einen ein. Mit schnellen Drums und eher sanften elektronischen Piano-Klängen wird sehnsüchtig Vergangenes besungen, bis der Song schneller als erwartet nach einem plötzlichen Flow Switch endet.
Ein klarer Cut – gefolgt von Somnambul. Einem Song, der eher Glück beschreibt und durch verspielte Beats zum Tanz einlädt. Da fällt beim ersten Hören vielleicht auch gar nicht auf, dass hier anfangs sogar noch viel Unsicherheit, eingepackt in Traum und Realität, besungen wird. Aber wer kennt es nicht in der neuen Liebe – wie könnte man sich je sicher sein?
Der Song Shell Öl feiert ebenfalls an dem heutigen Tag sein release. Er tropft erst einige Sekunden verträumt vor sich her, bis dann die ersten Drumrolls einsetzen. Zugegeben hat dieser Song mich schon bei den ersten Worten „Gib mir einen Peak und Baby ich binge es“ in den Bann gezogen. Schnell wird in diesem Album klar, dass das empfundene neue Glück, die Verliebtheit und Aufregung mit einer gewissen Problematik einhergeht. So breitet sich in diesem Song die erste schwarze Welle über diese Gefühlswelt aus.

„Wir sind im Arsch und wir sind im Ocean, wir sind emotional und stehen in Flammen“

Nach einigen Songs findet sich ein weiterer Bruch wieder. Drosslung ist ein reines Instrumental, in dem Hörer*innen durch ruhige, elektronische Violinen-Klänge in eine gedrückte Stimmung gezogen werden, bevor es mit weiteren, sehr zum Bewegen einladenden Songs weitergeht.

„Du siehst dich immer spiegelverkehrt, und du denkst ich lieb’ dich nicht mehr.“

Später im Album empfinde ich einen weiteren Cut. Eine Wendung, eine Entscheidung, die finaler nicht sein könnte. In den letzten Songs gerät man auf den Höhepunkt der Thematik.
Fahr dich nach Hause fasst an diesem Punkt Erlebtes noch einmal zusammen: wie viel Arbeit, wie viel Hingabe und empfundene Schwäche gefordert wurden. Eine Aufzählung unterstrichen von ruhigen, sich immer wieder leicht auf- und abbauenden Klängen, die plötzlich durch laut eindringenden Drums verwoben in Synth Melodien unterbrochen werden.
Frontex lebt ebenfalls von experimentellen Drumrolls und Vocals. Durch mehrere Flow Switches in diesem Song werden Hörer*innen ein letztes Mal zwischen verschiedene Gefühle hin und hergezogen, bevor man im Outro Tempo ein weiteres Mal mit der Trennungsthematik konfrontiert wird. Ich finde es schwierig die letzten Songs in klare Worte zu fassen, da sie mich auf so viele Ebenen setzen und mich in einer Art Verwirrung zurücklassen, während sie mich Besungenes doch so sehr fühlen lassen.

„Du wirst auch weiterhin Vergangenes romantisieren. Deinem schönen Hinterkopf biete ich die Stirn.“

Fazit: Dieses Album lässt mich eine Beziehung durchleben – Mit all’ ihren Ups am Anfang, Unsicherheiten, Ängsten und einem schmerzenden Ende. Mehr Depression als Glück und dennoch lässt es mich durch meine Wohnung tanzen. Tanzen zu einer doch sehr persönlichen Dunkelheit, die musikalisch nicht passender untermalt werden konnte. Durch verfremdete Vocals und experimentellen Drums schafft die Band es abstrakte Poesie aufleben zu lassen und ihrer Musik einen gewissen Grad an Besonderheit zuzuschreiben, die ihr euch in keinem Fall entgehen lassen solltet.
Ebenso finde ich es fantastisch, wie dieses Album Hörer*innen direkt mit der Trennungsthematik konfrontiert, durch chronologisch aufbauende Gefühlswelten zieht, um den Fokus letzten Endes wieder auf die Trennung zu legen. Welche Gefühlswelten hier genau offengelegt werden hört ihr euch am besten selbst an!

Schenkt dieser Band euer Ohr und lasst uns wissen, wie ihr es findet!

 

Bis bald im ewigen Internet <3

Eure Melanie,
Band Master Flash

 

 

Das Musikvideo zu Shell Öl könnt ihr euch hier übrigens direkt mal anschauen: