by Ferdinand

Seit Jahren steht ein Name in Deutschland und darüber hinaus für hochwertigen Techno wie kein Zweiter: MODERAT, das sind die Berliner Künstler Apparat (Sascha Ring) und Modeselektor (Gernot Bronsert und Sebastian Szary). Ihr melodischer, treibender Sound ist in seiner Komplexität und Klangkomposition eher eine Form von technoider Kammermusik, als bloß schnöder EDM. Mit ihrem neuem Album “III”, welches am 01.04.16 auf Rough Trade erschien, fahren sie im Gegensatz zu den zwei schon hervorragenden Vorgängeralben in Punkto Geschwindigkeit und Tanzbarkeit eine Stufe herunter, um dafür nochmals an Emotion und Atmosphäre zu gewinnen. Schon beim dunklen Intro “Eating Hooks” verfängt der melancholisch-depressive Grundtenor der Platte vollkommen, bei “Ghostmother” möchte man der Stimme von Sascha Ring beim Fliegen zuschauen. In “Running” glaubt man dem Tanztheater einer Androidenfabrik beizuwohnen und mit “Reminder” hält die Truppe ein Schnappschuss der aktuellen Gesellschaft fest, die sehenden Auges ihre Brücken abbrennt und die von dunklen Schatten aus Vorurteilen und (Rassen-)Hass ummantelt wird. Kurz und Gut: jetzt schon die vermutlich beste elektronische Scheibe des Jahres.

Doch kann die Kombo die dichte Stimmung des Albums auch live über die Bühne bringen? Wir waren am 31.03 im Haus Auensee in Leipzig, um uns das mal genauer anzuschauen.

Schon vor Beginn des Konzerts konnte man sich sicher sein, dass es kuschelig werden sollte im Haus Auensee. Die Nachfrage war so groß, dass das Konzert kurzerhand vom Werk 2 umverlegt werden musste. Da waren also nun knapp 3000 Freunde und Liebhaber der elektronischen Tanzmusik, dicht gedrängt im Haus Auensee, und warteten gespannt. Ich durfte die Drei bereits letzten Sommer beim Melt!-Festival bewundern. Dennoch war ich gespannt, wie ihr neustes Werk live wirken würde und ob sie damit mich und auch das restliche Publikum zum Tanzen bringen können.

Moderat, Haus Auensee Leipzig

Gleich mit dem ersten Song „New Error“, einem moderaten Klassiker, wurde der Maßstab hoch gesetzt und so versuchte jeder im Publikum, mich eingeschlossen, trotz fehlendem Freiraums und mindestens einem anderen Menschen auf den eigenen Füßen das Beste, um sich zur Musik bewegen zu können. Nach diesem sehr tanzbaren Eisbrecher wechselten sich schnellere, progressivere Songs mit ruhigeren Balladen ab. Zur Hälfte der Veranstaltung wurde es etwas minimalistischer und Sascha Ring konnte seine volle Gesangsfähigkeit unter Beweis stellen. Wobei ich mir hier bzw im weiteren Verlauf des Abends wahrscheinlich etwas mehr Abwechslung gewünscht hätte, was der Stimmung im Großen trotzdem keinen Abbruch tat. Die war nämlich den gesamten Abend über sehr gut. Das Publikum hatte sichtlich Spaß sich zu den Klängen der „Supergroup des Berliner Techno“ zu bewegen.

Moderat, Haus Auensee Leipzig

Moderat haben sich mit ihrem neusten Album auch ein Stück weit von der reinen Club-Musik im Stile von Modeselektor wegbewegt, um eine etwas „organischere“ Form der elektronischen Musik zu schaffen. Berliner Techno mit Pop-Appeal.

Aber nicht ausschließlich die Musik stand an diesem Abend im Mittelpunkt. Ich muss zugeben, dass ich froh bin, so dreist gewesen zu sein, mir meinen Weg zum Zentrum schon vor Beginn der Show geebnet zu haben. Denn was dort hinter den drei Berlinern zu sehen gewesen ist, war wirklich eine gut gelungene, visuelle Untermalung der Musik. Packend, fast schon hypnotisierend schafften es die Jungs vom Berliner Grafikerkollektiv „Pfadfinderei“ eine fesselnde Licht-/Laserinstallation zu präsentieren. Eine Mischung aus Michelangelo, wundervoll abstrakten Bildern, sowie besonders beeindruckenden Impressionen, die wie eine Graphic Novel anmuteten.

Moderat

Wer es also bisher nicht geschafft hat, eines der Konzerte zu besuchen, sollte dies im Sommer definitiv nachholen.