by Melanie Marvelous

Konzertbericht Casey

Support: Acres, The Gatherers

Conne Island, Leipzig
03.05.2019


Da war sie: Die Abschluss-Tour der Band Casey.
Seit der Gründung 2014 sind sie nicht nur als Band gewachsen. In den letzten Jahren hat sich eine starke Fanbase um sie herum gebildet. Jedoch habe ich das Gefühl, hier ging es nicht nur um den Support, sondern eher um eine Wechselwirkung zwischen Hörern und der Band. Und obwohl im März des letzten Jahres das zweite Album, Where I Go When I Am Sleeping erschien, wurde Anfang Dezember das sehr überraschende Aus verkündet. An dieses einschneidende Ereignis bindet sich diese letzte Tour, die mit It’s time for us to bury our love
 betitelt wurde.

In den ersten Minuten in der Location fiel mir auf, dass nicht nur fast jeder Casey Shirts oder Hoodies trug; fast jeder trug den letzten, neuen, tour-zugehörigen Merch, den es auch bei diesem Konzert zu erwerben gab. Tatsächlich hatte ich mich ebenfalls direkt am Merch-Tisch wiedergefunden, wie ich Tom (Sänger der Band, der bisher bei jedem ihrer Konzerte dort anzutreffen war) einen Pulli und ein T-Shirt abkaufte. So war ich stolze Besitzerin zweier Artikel, die am Ende des Abends noch ausverkauft sein sollten.

Casey hatten zwei Support Acts dabei. Eröffnen durfte die britische Band Acres. Zwar waren sie mir bis dato unbekannt, doch das Casey-Shirt, dass der Sänger trug, machte sie mir von Beginn an sehr sympathisch: man sollte sich ja gegenseitig unterstützen. Trotz des – wie mir schien – geringen Bekanntheitsgrades feierte das Publikum die Band schon nach den ersten Liedern. Zwischendurch beobachtete ich Tom, der noch immer am Merch stand und nun auch zur Musik tanzte.
Nach ihnen trat die amerikanische Band The Gatherers auf, die mir leider bis zu dem Zeitpunkt gleichermaßen unbekannt waren. Trotz dessen sah ich hier genauso headbangende Köpfe, mitwippende Menschen. Einmal mehr heizte diese Band dem Publikum vor dem Hauptact ein.

Schließlich war es soweit: die Bühnenarrangements wurden vorgenommen. Die Bühne blühte nun förmlich auf: am Mikro wurde ein Strauch drapiert, am hinteren Bühnenrand und am Schlagzeug ebenfalls. Es sah jetzt schon einfach nur wunderschön aus.
Dann, in der ersten Sekunde, als Casey die Bühne betraten, war das Publikum außer sich. Angefangen haben sie sehr ruhig mit Making Weight und steigerten sich dann von Phosphenes über Fluorescents mit jedem weiteren Song – zugegeben waren bis hier hin schon drei meiner Favoriten gespielt und ich absolut glücklich. Das Publikum gab sich ganz der Musik und allen transportierten Gefühlen hin; man sah eine homogene Maße von Menschen, die mit den Köpfen nickte, Fäuste hob und erhobenen Hauptes Texte mitschrie. Hier und da bildeten sich Moshpits. Tom, der vorerst eher gesenkten Hauptes seine Texte mitteilte, geriet nach und nach, wie das Publikum, in Ekstase und tanzte all das gesungene auf der Bühne heraus – Ein bisschen neben dem Takt. Ein bisschen kindlich. Jedoch unglaublich ehrlich.

Neben all dem Tanz und Gesang fanden sich hier und da ein paar Handys in der Luft – auf diesen Anblick stößt man ja heutzutage bei jedem Konzert. An einem Punkt jedoch wurde dem Publikum ein Handy-Verbot erteilt, um einen Moment lang (die Rede war von den darauf folgenden, fast letzten drei Liedern, unter anderem Darling) in dem Hier und Jetzt zu sein. Tom verstand nicht, wieso man denn fast 22€ für ein Konzert ausgibt, um dann die Zeit damit zu vergeuden, in sein Handy zu schauen. Er bat uns für den Moment einfach nur präsent zu sein, die Augen zu schließen und uns der Musik ganz hinzugeben: und so geschah es auch. Ich persönlich fand diese Aussage wunderbar und hoffe, dass sich einige diesen kleinen Anstoß auch bei zukünftigen Konzerten noch einmal vergegenwärtigen.

Abschließend kann ich sagen, dass ich mich schon lang nicht mehr so schnell in einer Gefühlskombination zwischen Schmerz und Freude im gleichen Moment wiedergefunden habe, wie zu diesem Zeitpunkt. Ich glaube, da spreche ich nicht nur allein von meiner Person, denn nach dem Konzert kamen mir nicht nur zufriedene, sondern auch von Tränen überströmte Gesichter entgegen; ob dies an der Auflösung oder an den sich ergebenen Gefühlen während des Konzertes lag steht hier jedoch offen.

Solltet ihr euch fragen, wieso diese Band, die so viel Liebe erlangt und gibt, entschloss dieses Projekt abzuschließen: Das offizielle Statement lest ihr hier!

Foto: © gingerdope