by Jack

„Leave home, if you got one
You’ve been holed away so long
Waiting for this day to come“

Make a Wish, Beatsteaks

Es ist Sonntag. Die Festivalsaison ist fast vorbei. Ich komme gerade vom Frequency in Österreich. Fünf Tage Wahnsinn, Exzess aber auch harte Arbeit. Allein die Heimfahrt im Reisebus der Firma, typische Klassenfahrtsstimmung, hinten wird getrunken bis auch die letzten Ruhe geben. Irgendwann bin ich in Leipzig, runterkommen. Wäsche waschen, duschen, das volle Programm. Aber dann nach einer halben Stunde: Stille. Argh, Stille geht gar nicht. Aber was tun? Das Highfield findet zeitgleich statt, nur 20 km vor der Stadt. Im Bus haben wir Witze gemacht wer jetzt noch hinfährt, allein, keiner hat mehr Bock, ziemlich normal. Immerhin, mein Kumpel Joe ist vor Ort und die Reisekasse aus Österreich ist auch noch ganz gut gefüllt…

Ich rufe ein Taxi, es ist mittlerweile 11 Uhr nachts, es muss jetzt schnell gehen, sonst überlegt man sich das wieder anders. 10 Minuten später kurvt ein älterer Herr durch die Nacht „Zum Störmthaler See? Was ist denn da heute los?“ Wir fahren eine Viertelstunde, der Fahrer lernt etwas über die lokale Festivalkultur und 25 Euro später stehe ich schließlich vor dem Haupteingang. Ein Mädchen kommt vorbei, wir reden ein wenig, gehen lachend gemeinsam rein, alle schauen nur auf ihr Bändchen, und zack, wir sind drin.

beatsteaks-story

Langsam bekommt das Ganze den richtigen Drive, ich beschleunige den Schritt, zücke das Telefon: „Hey Joe, wo bist du grad,wir treffen uns in 5 Minuten am Partyzelt!“ „Was, Nicht dein Ernst?“ Ein Rauschen in den Ohren, kurz darauf am Treffpunkt springt mir der Gute in die Arme: „Alter, Du hier!“ Wir sind im Modus, die Euphorie ist ansteckend, schnell sammelt sich eine Menschentraube um uns. Ich gehe an die Bar: „Hey was machst du hier, ich dachte du bist in Österreich?“ Kollegen hinterm Tresen, ergo trinken wir heute auch vergünstigt.

Die Party geht bis 4 Uhr morgens dann ist die Musik aus, wie jetzt, war es das etwa schon? Ich verliere Joey auf dem Zeltplatz und überlege schon abzubrechen, da kommt mir ein aufgedrehter Typ entgegen: „Alter kein Scheiß, da vorn sind die Jungs von den Beatsteaks.“ Tatsächlich, da stehen sie, Torsten der Bassist und sein Manager der irrerweise auch Torsten heißt. Torsten und Torsten sind mit zwei Mädels unterwegs und wollen mit überlebenden Gästen Schnaps trinken, jedoch, die meisten schlafen schlichtweg. „Lass zum Tourbus gehen, da steht noch ne Flasche Jameson Whisky im Kühlschrank!“ Joa, wie ihr meint, dann mal auf zum Tourbus. Vor Ort leeren wir besagten Whiskey, die Stimmung ist gut, man ist direkt Teil der Crew. Das Ganze geht gut, bis wir beim Herumstromern eine weitere Kontrolle passieren und Bassisten-Torsten mit der Security aneinander gerät. Alle sind jenseits von Gut und Böse und während sich der Streit zu einem handfesten Handgemenge entwickelt, gelingt es mir kurz die Situation von außen zu analysieren:

Okay, es ist 7 Uhr Morgens, du stehst hier grad mit den verdammten Beatsteaks im Highfield-Backstage, kein Ticket, kein Bändchen, gar nix und vor dir schlägt gleich die Security dem fucking‘ Bassisten der Headlinerband auf die Fresse. What the Fuck, das glaubt dir nie jemand…

Management-Torsten gelingt es schließlich zu schlichten und ein Vorgesetzter des Sicherheitstypen taucht auf. Ein guter Zeitpunkt sich zu verabschieden, machts gut Freunde, es war schön mit euch. Ich verlasse das Infield, beim Rausgehen (!) werde ich zum ersten Mal vernünftig kontrolliert, na endlich.“Hey, kann ich mal eben dein…“ „Aber warte, du hast ja gar kein…“ Ach wirklich? Tja. Gut gelaunt gehe ich zum Frühstücksstand, etwas essen kann nicht schaden. „Hey Jack, was magst du frühstücken?“ Konrad, wieder ein Kollege. „Hier, geht aufs Haus.“ Auch das noch, es ist unfassbar. Im Dämmertaumel schleppe ich mich anschließend zum Ausgang und falle in den Shuttlebus, niemand fragt nach dem passenden Bändchen. Ich schlafe die Fahrt durch, werfe mich später in die Bahn, nur um direkt wieder einzunicken. Schließlich eine unfreundlichen Stimme: „Entschuldigung, ihre Fahrkahrte bitte.“ Argh, im Trance-Modus habe ich wohl vergessen mir ein Ticket zu besorgen. Egal, ich bezahle den Mann in bar, hier, nimm das Geld, passt schon, die letzte Nacht war es wert! Ich steige aus, die Sonne scheint und im nächsten Moment ist die Episode vergessen, denn ich weiß: Was ich erlebt habe, das ist nicht mit Geld zu bezahlen.

Beste Grüße
Euer Jack